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Thomas Cleary

“Daoistische Praxis” - ein Handbuch -
die Kapitel aus der EinfĂĽhrung wurden im Ăśbersetzerkreis des Tao-Chi von Marlies und Ă–rmi bearbeitet
Das dritte ist genaue Wahrnehmung.
Gutes Beobachten ist der Weg, auf dem die Weisen das „vorausschauende Bewusstsein“ erlangen, der Weg durch den die Fähigen sich „im Ergründen der Dinge“ üben.
Sogar eine Mahlzeit oder ein Nickerchen kann zu einer Quelle von Verlust oder Gewinn werden; selbst eine einzelne Handlung oder ein einziges Wort kann die Wurzel von GlĂĽck oder UnglĂĽck sein.
Selbst kluge Pflege der Zweige ist nicht so gut wie eine schwerfällige Erhaltung der Wurzel. Die Wurzel beobachten und den Zweig zu kennen ist auch keine Eilangelegenheit. Halte deshalb den Geist an,
verkleinere Deine Sorgen und reduziere Deine Pläne. Mit ruhigem Körper, freiem Geist kannst Du dann das Tiefgründige durchdringen.
Um den Weg zu kultivieren, benötigt der Körper Nahrung und Kleidung.
Einige Tatsachen können nicht vernachlässigt werden, auf einige Dinge kann man nicht verzichten; akzeptiere sie mit einem offenen Herzen, ordne sie mit klarem Blick und lass nicht zu,
dass sie Dich behindern oder quälen. Wenn Du verärgert oder aufgeregt bist, wühlt schon Krankheit Deinen Geist auf – wo bleibt dann da „der Friede des Geistes“?
Wenn es etwas gibt, wonach man streben kann, lass keine Gedanken von Gewinn und Verlust aufkommen. Ob es etwas zu tun gibt oder nicht, lass den Geist immer entspannt sein.
Sieh zu, dass Du wie die anderen bist, sei aber nicht so habgierig wie andere; verdiene Geld wie andere, aber horte es nicht so wie sie. Wenn Du nicht gierig bist, wirst du frei von Angst sein;
wenn Du nicht hortest, bist zu unempfindlich gegen Verlust. Lass Deine äußeren Spuren so sein wie die der anderen, aber Deinen Geist immer anders als die Gemeinen. Das ist das Modell der echten Übung;
es ist wesentlich, daran ständig zu arbeiten.
Selbst wenn Du Verwicklungen durchtrennt hast und Deine Angelegenheiten vereinfacht hast,
aber noch immer Bedrängnisse hast, die Du nur schwer loswirst, betrachte sie einfach methodisch. Zum Beispiel diejenigen, die am ernsthaftesten von Materialismus oder Sinnlichkeit vereinnahmt sind,
sollten erkennen, dass der Einfluss von den Gedanken kommt; wenn keine Gedanken aufkommen, ist dieser Einfluss nicht vorhanden. Wisse dass Gedanken an Materielles und Sinne äußerlich leer sind,
deshalb ist der materialistische, sinnliche Geist innerlich vergessen. Wenn’s Dir gelingt, die Gedanken zu vergessen, dann ist der Geist leer; was beherbergt also das Materielle?
In den Schriften heißt es, „Das Materielle formt nur die Gedanken, und Gedanken sind alle leer – was haben sie mit dem Materiellen zu tun?“
Wenn Du darüber verärgert bist, wenn jemand etwas Falsches tut, ist das nicht anders zu sehen, als dass jemand versucht, seinen Kopf abzuschneiden und Du dann sein Messer nimmst,
um Dir damit dann Deinen eigenen Hals abzuschneiden. Wenn andere auf eigene Verantwortung etwas falsch machen, liegt es nicht in Deiner Verantwortung;
warum solltest Du ihr Böses auf Dich nehmen und zu Deiner eigenen Sorge machen? Wenn Du also jemanden etwas Falsches tun siehst, hasse sie nicht, und wenn Du andere etwas Gutes tun siehst, bewundere sie nicht.
Warum? Weil beides den Weg verstellt.
Eine Handlung ist Deine eigene Tat; das Schicksal ist vom Himmel gegeben. Handlung und Schicksal sind zueinander wie Echo und Schatten, die Lauten und Gestalten folgen;
da man sie nicht vermeiden kann, sollte man sie nicht ĂĽbel nehmen. Aber in Wirklichkeit erreichen nur die Weisen dies; sie sind zufrieden mit dem Himmel und wissen um das Schicksal,
deshalb machen sie sich keine Sorgen. Wie könnten sie sich elend fühlen aufgrund von Armut oder Krankheit? Zhuangzi sagte, „Himmel und Erde können ihre Disziplin nicht ändern;
Yin und Yang können ihren Lauf nicht ändern“. Das bezieht sich auf das wahre Schicksal – was gibt es daran zu grollen?
Nimm an, ein mutiger Krieger trifft auf Wegelagerer;
er schwingt furchtlos sein Schwert und geht vor, so dass die Wegelagerer auseinander brechen. Wenn die Leistung des Kriegers anerkannt wird, gehen seine Ehre und seine Verdienste bis zum Ende seines Lebens.
Wenn Du Dir wegen Armut oder Krankheit Sorgen machst, dann stellen sie diese Strauchdiebe dar. Wenn Du einen aufrechten Geist hast, ist dies der mutige Krieger.
Die intelligente Betrachtung ist das Schwingen des Schwertes. Wenn sich die Sorgen auflösen und verschwinden, ist die Schlacht gewonnen. Tiefe Ruhe und ewiges Glück sind die Ehre und die Verdienste.
Wenn schmerzhafte Dinge Deinen Geist bedrücken, wenn Du diese Betrachtung nicht benutzt und stattdessen ein ängstliches Gefühl der Belastung entwickelst, ist dies wie einer,
der Truppen begegnet aber nichts dagegen tut und wegrennt. Schande auf sich nehmen, auf Glück verzichten um des Elends willen – wie kann man eine solche Person auch nur bemitleiden?
Wenn Dich Armut und Krankheit plagen, betrachte den Schmerz als abgeleitet von einem körperlichen Selbst. Gäbe es kein körperliches Selbst, hätten die Sorgen keinen Ort zum Verweilen.
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- Daoistische Praxis
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Practical Taoism übersetzt von Marlies und “Örmi” (Tao-Chi Übersetzerkreis)
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