|
*
Also sprach der Meister Lao-Tze:
Die Meister des Wissens vergewaltigen nicht ihr Herz,
die gewöhnlichen Leute überwinden nicht ihre Begehrlichkeiten. Diejenigen, die zur Klarheit durchgedrungen sind, handeln aus ihrer natürlichen und gesunden geistigen Verfassung heraus,
während die niedrig-gesinnten allen ihre entarteten Neigungen ausleben. Ein gesunder Geisteszustand besteht darin, daß wir einen leichten Zugang finden, täglich, zu unserer inneren Kraft, unserer ursprünglichen Natur
und in unserer Mitte sind. Im Äußeren können wir dadurch vernünftig handeln, ohne in die Dinge eingebunden zu sein. Was heißt entartete Neigungen? Wenn wir immer weiter auf raffinierte Reize aus sind,
Geschmack, Gehör und Augen gierig nach neuem suchen, wenn wir unserer Begeisterung und unserem Ärger freien Lauf lassen und uns nicht um die Folgen unserer Handlungen scheren.
Geistige Klarheit und Entartung stören einander. Begehrlichkeit und die ursprünglich-wahre Gesinnung schädigen einander. Beides kann nicht nebeneinander bestehen. Kommt das eine auf, verschwindet das andere.
Um Deiner wahren Natur zu folgen, mindere einfach – wie die alten Weisen es schon taten – Deine Begehrlichkeiten. Unsere Augen lieben Formen und Farben, unsere Ohren lieben Klänge und Töne
und unsere Nase liebt Gerüche, der Mund die Geschmäcker. Was die gewohnheitsmäßigen Wünsche betrifft, so wissen weder die Augen, noch die Ohren, weder Nase noch Mund, was sie eigentlich wollen.
Unser Bewusstsein ist es, was all dies kontrolliert, so dass alles an seinem Platz kommt. Aus diesem Blickwinkel ist es ganz klar, dass kaum jemand Interesse daran hat, seine Begehrlichkeit zu überwinden.
Aus: “Wen-Tzu - das Verstehen der Geheimnisse (057)”
- die Fortführung der Gedanken des Lao-Tze durch seinen Schüler -

Übersetzt im gleichnamigen Werk des Übersetzers Thomas Cleary
*
zur Textauswahl dieser Seite
Danke für Ihren Besuch auf unseren Webseiten, und
- einen guten Weg -
*
|